Der philosophische Frisör

Herr Hein Deggers Friseursalon „Bei Haaristoteles & Haarchimedes“ hatte sehr schnell einen treuen Kundenstamm gewonnen. Dies lag besonders an seinem eigentümlichen Eigentümer, der seine Kunden liebevoll umsorgte. Tag ein, Tag aus umgarnte er sie mit Sätzen wie: „Den Schuppenhauer kann ich gar nicht empfehlen, das ist ein regelrechter Haarendtferner. Ich empfehle eine sanfte Epihaarkur oder vielleicht etwas Fichtewasser.“
Ausgerechnet sein Lieblingskunde trug aber eine Foucault-Hila-Frisur. Etwas ruppig raunzte er jedes mal: „Mach ja wellich, die Locke!“ Herr Degger trug diese Ausfälligkeiten mit einer unendlichen Gemütsruhe, weil er sich nicht nur der Kürze der Haare sondern auch der des Lebens bewusst war. Ein wenig zur Haarspalterei neigte er dennoch. Auf die Bitte eines jungen platonblonden Fräuleins, ihr „a bisserl die Spitz weg zu machen“, bekam er rote Backen und blaffte: „Kant schneid‘ ich, Kant!“

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